Antimikrobielle Resistenzen (AMR)

Einleitung

Seit 2019 haben sich antimikrobielle Resistenzen (AMR) weltweit zu einem immer zentraleren Thema im Gesundheitswesen entwickelt. Der weit verbreitete Einsatz und Missbrauch von Antibiotika hat zusammen mit einer Stagnation in der Entwicklung neuer antimikrobieller Wirkstoffe signifikant zum Anstieg multiresistenter Erreger (MRE) beigetragen1. Weiterhin hat der Austausch komplexer Resistenzmechanismen unter Erregern die Behandlungsmöglichkeiten stark reduziert6. Zur Unterstützung von medizinischem Fachpersonal bei der Entwicklung effektiver Strategien für Antibiotika-Empfindlichkeitstests (AST) und für vollständige Genomsequenzierungen (WGS) fassen die Tabellen A und B aktuelle Daten zusammen [1][2][3]und zeigen neueste AMR-Entwicklungen in Krankenhaussystemen. Dabei liegt der Fokus auf der hygienisch-mikrobiellen Überprüfung von Endoskopen für den Gastrointestinaltrakt (GI) und dem klinischen Versorgungsumfeld.

Tabelle A: Geschärfter Fokus auf neu auftretende antimikrobielle Resistenzen (AMR) in der GI-Endoskopie *

Bedenklichkeit Indikatormikroorganismen

Erregerreservoir

Relevanz für hygienisch-mikrobiologische Überprüfung von Endoskopen

Prävalenzraten

Eschericha coli

Natürlich vorkommender Besiedler des menschlichen GI-Trakts; häufig aus Wasserauslässen (wie Wasserhähnen und Abflüssen) isoliert.

Kann auf Mängel bei der manuellen Reinigung oder Desinfektion sowie unter Umständen auf Produktschäden hinweisen.

ERCP: Hoch

Oberer GI-Trakt (nicht ERCP): Mittel

Unterer GI-Trakt: Niedrig

Klebsiella pneumoniae

Natürlich vorkommender Besiedler des menschlichen GI-Trakts; selten von unbelebten Oberflächen isoliert.

Kann auf Mängel bei der manuellen Reinigung oder Desinfektion sowie unter Umständen auf Produktschäden hinweisen.

ERCP: Hoch

Oberer GI-Trakt (nicht ERCP): Mittel

Unterer GI-Trakt: Niedrig

Pseudomonas aeruginosa

Häufig aus Wasser oder von unbelebten Oberflächen und Keimträgern (z. B. Abflüssen, Bettgitter, Waschbecken) isoliert; gelegentlich im menschlichen GI-Trakt vorkommender Besiedler.

Kann auf Wasserverunreinigungen oder Mängel bei der Desinfektion, Trocknung, Aufbewahrung oder Handhabung hinweisen.

ERCP: Mittel

Oberer GI-Trakt (nicht ERCP): Mittel

Unterer GI-Trakt: Niedrig

Acinetobacter baumanii

Haut, Oberflächen und Keimträger. Sehr häufig vorkommender Besiedler von Oberflächen in Krankenhäusern. Selten aus dem menschlichen GI-Trakt isoliert.

Kann auf Mängel bei der Aufbewahrung oder Trocknung sowie auf Probenverunreinigungen hinweisen.

ERCP: Mittel

Oberer GI-Trakt (nicht ERCP): Mittel

Unterer GI-Trakt: Niedrig

*Datenstand 2022

Tabelle B: Rasant an Bedeutung zunehmende AMR in Krankenhäusern

Organismus

Resistenz

Relevanz für hygienisch-mikrobiologische Überprüfung von Endoskopen

Erregerreservoir

Enterobacterales

Carbapenem-Resistenz; ESBL-bildend (Extended-Spectrum-Betalaktamasen

Kann auf Mängel bei der manuellen Reinigung oder Desinfektion sowie unter Umständen auf Produktschäden hinweisen.

Enterobacterales umfasst eine große Anzahl Bakterienarten, die aus Wasser, vom Boden und von Umweltoberflächen isolierbar sind. Aus klinischen Proben von Nasopharynx, Haut, Schleimhäuten und GI-Trakt wurden Enterobacterales isoliert.

Acinetobacter spp. (Insbesondere A. baumanii)

Carbapenem-Resistenz

Kann auf Mängel bei der Aufbewahrung oder Trocknung sowie auf Probenverunreinigungen hinweisen.

Haut, Oberflächen und Keimträger. Sehr häufig vorkommender Besiedler von Oberflächen in Krankenhäusern. Selten aus dem menschlichen GI-Trakt isoliert.

Candidozyma (Candida) auris

Mehrfachresistenz (Multiple Drug Resistance, MDR)

Kann auf Mängel bei der manuellen Reinigung oder Desinfektion sowie unter Umständen auf Produktschäden hinweisen. Candida spp. wurden außerdem selten aus Wassersystemen von Krankenhäusern isoliert.

Candidozyma (Candida) auris kann aus Wasser und vom Boden isoliert werden. Candida ist auch ein häufiger kommensaler Organismus, der auf der Haut, im GI-Trakt und im weiblichen Genitaltrakt vorkommt.

Staphylococcus aureus 

Methicillin-Resistenz

Kann auf Mängel bei der Aufbewahrung oder Trocknung sowie auf Probenverunreinigungen hinweisen.

Haut, Oberflächen und Keimträger. Sehr häufig vorkommender Besiedler von Oberflächen in Krankenhäusern. Selten aus dem menschlichen GI-Trakt isoliert.

Enterococcus spp.

Vancomycin-Resistenz

Kann auf Mängel bei der Trocknung, Handhabung oder Aufbewahrung von Endoskopen hinweisen. Mögliche Mängel bei der manuellen Reinigung sowie unter Umständen Hinweis auf Produktschäden.

Enterococci besiedeln in starkem Ausmaß den GI-Trakt und die Gallengänge sowie in geringerem Ausmaß die Haut, die Mundhöhle, die Leistengegend und den Genitaltrakt. Sie können auch aus Wasser und vom Boden isoliert werden.

Pseudomonas aeruginosa

Mehrfachresistenz (Multiple Drug Resistance, MDR)

Kann auf Wasserverunreinigungen oder Mängel bei der Desinfektion, Trocknung, Aufbewahrung oder Handhabung hinweisen.

Häufig aus Wasser oder von unbelebten Oberflächen und Keimträgern (z. B. Abflüssen, Bettgitter, Waschbecken) isoliert; gelegentlich im menschlichen GI-Trakt vorkommender Besiedler.

Die Rolle der hygienisch-mikrobiellen Überprüfung von Endoskopen

Die hygienisch-mikrobiologische Überprüfung bleibt der Goldstandard zur Bewertung des mikrobiellen Zustands flexibler Endoskope. Aus kultivierten Proben gewonnene Isolate können mithilfe von AST und WGS analysiert werden, wodurch sich Resistenzprofile präzise ermitteln lassen. Mithilfe von Tabelle A können Hygienefachkräfte beurteilen, bei welchen Arten GI-Prozeduren und entsprechender Endoskope ein höheres Risiko für AMR-Kontamination oder -Übertragung besteht. Diese Informationen erleichtern gezielte epidemiologische Untersuchungen und fundierte Entscheidungen zum rationalen Einsatz von Antibiotika.

Umweltreservoirs und Biofilmbildung

Pathogene Mikroorganismen, die aus klinischen Proben gewonnen werden, lassen sich oft auf Umweltquellen wie Wasser, Oberflächen und Böden zurückführen. Medizinprodukte, einschließlich Endoskope, können als Vektoren für die Übertragung fungieren. Die Fähigkeit von Bakterien wie Pseudomonaden oder Acinetobacter, Biofilme zu bilden, steigert ihre Überlebensaussichten unter rauen Bedingungen wie etwa unter Einwirkung von Reinigungs- oder Desinfektionsmitteln, bei Austrocknung und bei extremen Temperaturen. Biofilme schützen Mikroben, indem sie ihnen ermöglichen zu überleben, genetisches Material auszutauschen und sich zu verbreiten. Die Identifizierung des Ursprungs von Bakterien ist entscheidend für die Steuerung von Dekontaminationsmaßnahmen und für die Analyse möglicher Mängel von Aufbereitungspraktiken. Tabelle B fasst verbreitete Resistenzmechanismen und Reservoire laut CDC-Bericht zu antimikrobiellen Risiken von 2022 zusammen [4][5]. Hygienefachkräfte können mithilfe dieser Informationen Reinigungs- und Desinfektionsprotokolle in Endoskopieabteilungen optimieren und Audits in Aufbereitungsbereichen verbessern.

Quellen und weiterführende Literatur

  1. Antimicrobial Resistance Collaborators. “Global burden of bacterial antimicrobial resistance in 2019: a systematic analysis.” Lancet (London, England) vol. 399,10325 (2022): 629-655. doi:10.1016/S0140-6736(21)02724-0.

  2. Deb, Anasua et al. “Gastrointestinal Endoscopy-Associated Infections: Update on an Emerging Issue.” Digestive diseases and sciences vol. 67,5 (2022): 1718-1732. doi:10.1007/s10620-022-07441-8.

  3. Balan, Gheorghe G et al. “Duodenoscope-associated infections: a review.” European journal of clinical microbiology & infectious diseases: official publication of the European Society of Clinical Microbiology vol. 38,12 (2019): 2205-2213. doi:10.1007/s10096-019-03671-3.

  4. CDC. “Antimicrobial Resistance Threats in the United States, 2021-2022.” Antimicrobial Resistance, 16 July 2024, www.cdc.gov/antimicrobial-resistance/data-research/threats/update-2022.html. Aufgerufen Januar 2026.

  5. ‌CDC. “Antimicrobial Resistance Facts and Stats.” Antimicrobial Resistance, 22 Apr. 2024, www.cdc.gov/antimicrobial-resistance/data-research/facts-stats/index.html. Aufgerufen Januar 2026.

  6. Peri AM et al. Antimicrobial treatment challenges in the era of carbapenem resistance. Diagnostic Microbiology and Infectious Disease vol 94, 4 (2019): 413-425. https://doi.org/10.1016/j.diagmicrobio.2019.01.020. Aufgerufen Januar 2026.